Ernährung trächtiger und laktierender Hündinnen

Mit einer gesunden Ernährung legt der Halter die Basis für ein langes, vitales Hundeleben.
Die Ernährung unserer Hunde ist ein komplexes und umstrittenes Thema. In der Hundewelt sind Futterdiskussionen das Endlosthema schlechthin. Die einen bevorzugen Nassfutter, die anderen Trockenfutter und wieder andere füttern roh. Ich persönlich habe mich für die Rohfütterung entschieden. Hauptgrund ist, dass ich indivuell Einfluss auf die Nahrung meiner Hunde habe. Ich kann tägliche Bedürfnisse steuern, sowie auf mögliche Unverträglichkeiten oder Verwertbarkeiten meiner Hunde eingehen.
"Janosch" an Mamas Milchbar
Unser eigentliches Thema ist die Ernährung trächtiger und laktierender Hündinnen.
Ab der 5. Trächtigkeitswoche erfolgt eine wöchentliche Steigerung der Futtermenge um ca. 10%  bis 15% bis zum Ende der Schwangerschaft.
Aber die Menge allein macht noch keine optimale Nährstoffversorgung aus.
Eine Trächtigkeit ist eine riesige Belastung für den Mechanismus und die Welpen im Mutterleib nehmen sich was sie brauchen, unabhängig vom Zustand der Hündin. Nicht nur eine Unterversorgung, sondern auch die Überversorgung an Vitaminen und Mineralien sind auf Dauer belastend.
Eine gezielte Ernährung ist gerade in den ersten 35 Tagen wichtig, da zu dieser Zeit die Organbildung stattfindet. Im schlimmsten Fall hält der Körper der Mutter dem Zustand nicht stand und Embryonen werden resorbiert.
Sinnvoll wäre deshalb auch  das Zufüttern eines qualitativ hochwertigen Welpenfutters während der Trächtigkeit und Laktation.

Für einzelne Bedürfnisse bieten sich unterstützend diverse Lebensmittel an:
Schafmilch

Milchersatz hat bei uns wohl den größten Stellenwert in der Ernährung innerhalb der Welpenzeit. Sie gibt nicht nur den Welpen Energie und Kraft. Die Nährstoffe können gezielt weitergegeben und leichtert transportert werden. Natürlich kam auch schon Kritik, gerade seitens Barfer: "Milch gehöre nicht in das Beuteschema eines ausgewachsenen Wolfes/ Hundes". Aber die Argumentation darauf ist nunmal schlicht und ergreifen, dass mit einfachen Mitteln eine gesunde Energiebombe für Hündin und Welpen geschafft werden kann. Und die ist, nebenbei bemerkt, auch noch wahnsinnig lecker. Warum also nicht?
Milchschafe geben täglich bis zu 700 ml Milch
Alita  mit auf der Schafweide
Mmmmh - das schmeckt!!
Ab der siebten Woche bekommen unsere trächtigen Hündinnen jeden Abend ihre Schafmilch als dritte Mahlzeit. Gerade bei einem hohen Platzbedarf, durch viele Welpen, wird eine flüssige Mahlzeit als angenehmer empfunden. Aber warum Schafmilch und keine altbewährte Ziegenmilch?

Die optimale Zusammensetzung des Milchersatzes sollte sich so genau wie möglich an der Muttermilch orientieren. "Optimal" bezieht sich hierbei auf Rasse, Alter entsprechende Idealgröße, den Gesundheitsstatus und die Abwehrkraft. Bei der Verwendung von Milch anderer Tierarten für die Herstellung von Milchersatz ist auf die differierende Zusammensetzung zu achten. Die Tabelle zeigt, welche großen Unterschiede in der Milchzusammensetzung zwischen den Tierarten Hund, Schaf, Ziege und Rind steht:

Nährstoffe beziehen sich auf 100g Milch:
Hund Schaf Ziege Kuh
Trockensubstanz 22 13
Energie kJ 600 450 285 313
Rohprotein g 8 5,8 3 3,3
N-freie Extraktstoffe 3 4,3 4,5 5
Rohfett g 9 6 3,4 3,8
Fettsäuremuster
Ungesättigte FS % 60,9 25 30 34,5
Linolsäure % 11,7 2 2 2,4
Calcium mg 245 194 130 115
Phosphor mg 177 151 110 95
Natrium mg 80 45 50 40
Kalium mg 108 162 200 145
Eisen mg 0,7 0,08 0,06 0,05
Kupfer mg 0,33 0,02 0,01 0,02
Zink mg 0,11 0,4 0,4 0,5
Auffallend darin sind die wichtigsten Wachstumskomponenten Calcium, Protein-und Fett, denen die Schafmilch am nächsten kommt.
Die Lämmer müssen hier ab der 8. Woche teilen. Dann wird die Milch direkt nach dem Melken einige Tage eingefroren und erst direkt zur Fütterung erwärmt. Somit wird diese nicht nur haltbar gemacht, sondern auch eine Mindestanzahl an Bakterien abgetötet und deren Vermehrung gestoppt . Gleichzeitig bleiben jedoch die meisten Nährstoffe enthalten. Die Milch bei 75 Grad Celcius zu pasteurisieren ist zwar ebenfalls ein gutes Verfahren zum steril halten, aber leider gehen mehr Nährstoffe dabei verloren.
Wer keine Möglichkeit hat, frische Schafmilch zu beziehen, findet alternativ auch im Internet Trockenpulver zum Anrühren.

Natural Rearing Gruel
Diese Kräutermischung ist eine zu 100% natürliche Nahrungsergänzung für schwangere und stillende Hündinnen.  Es ist eine sehr leicht verdauliche, nährstoffreiche Rezeptur und war eines der ersten Produkte aus der "Juliette de Bairacli Levy" Natural Rearing Reihe, die weltweit von tausenden Züchtern und Hundehaltern verwendet wird. Ab der 6. Trächtigkeitswoche bekommen unsere Hündinnen diese Mischung unter  das Futter oder  auch mal als Welpenbrei  angerührt.

Inhaltstoffe

    Pulver von Amerikanischer Rot-Ulme (Slippery Elm)
    Wurzel des Echten Eibisch
    Dillsamen
    Gerstenmehl
    Maismehl
    Pfeilwurz (Maranta arundinacea)

Die Kräutermischung nach Juliette de Bairacli Levy ist zudem besonders geeignet, um Welpen bei der Entwöhnung von der Muttermilch zu unterstützen.
Dazu wird ein nahrhafter Brei angerührt, der idealerweise bis zur  16. Woche  an den Welpen weitergefüttert  wird:

1 dl Schafmilch/Ziegenmilch (unbehandelt), 1 TL Honig, 1 TL Öl, 3 TL NR Gruel, 2 EL Pseudo-Getreideflocken (Buchweizen, Amaranth, Quinoa)
Wachteleigelb
Natürlich geht alternativ auch Hühnereigelb
Wachteleigelb dient bei uns während der Trächtigkeit in erster Linie als Folsäurelieferant.

Ab dem ersten Läufigkeitstag bis zum 35ten Trächtigkeitstag gibt es wohldosiert, täglich ein gesundes Wachteleigelb ins Futter. Bis zu diesem Tag werden die Organe gebildet. Das Folat ist dabei stark an der Teilung und Neubildung der Zellen beteiligt. Eine Unterversorgung kann zu Neuralrohrdefekten führen. Folsäure gehört zu den D-Vitaminen und  ist sehr hitzeempfindlich, weshalb das vorherige Abkochen der Eier den enthaltenen Stoff  wertlos macht.
Das Eiklar wir bei mir vorher getrennt und entsorgt, da es Avidin enthält. (Avidin bindet das wertvolle Biotin im Darmkanal).
Mehr gesunde Gründe für die Einnahme von Wachteleiern findet ihr auf meiner
Extra-Seite.
Himbeerblätter (ab Tag 56.)
Gerade im Winter auch getrocknet beliebt
Bei mir gibt es sie zur warmen Jahreszeit frisch geschnitten unter das Futter.
Die Blätter haben eine entspannende Wirkung auf die Gebärmuskulatur. Der Muttermund und die Beckenmuskulatur werden weich und locker. Das beschleunigt den späteren Geburtsvorgang und kann die Wehenphasen verkürzen.
Zudem werden dem Himbeerblättertee zyklusregulierende und schleimhautaufbauende Eigenschaften zugesprochen.
Auch nach der Geburt hilft Himbeerblättertee: Die Heilpflanze hat eine entschlackende und entgiftende Wirkung und kann auch die Milchbildung anregen. Im Übrigen enthält sie, neben Kalium und dem lebenswichtigen Spurenelement Eisen, auch zahlreiche Vitamine.


Eine schnelle Übersicht ...welche Lebensmittel decken gezielt welchen Bedarf gut?



         Proteine
         Rindfleisch, Geflügelfleisch, Pferdefleisch, Kaninchenfleisch, Herz, Lachs

         Folsäure
          Blattspinat, Eigelb,  Zucchini, Haferflocken, Feldsalat, Leber

        Eisen

         Trockenblut, Rind, Leber (Vitamin C fördert die Aufnahme von Eisen!)

        Calcium
         Ganze Knochen (ca. bis Tag 49), Knochenmehl , Quark, Buttermilch, Kuheuter(sehr fettreich!)

        Magnesium
         Bananen, Haferflocken, Kohlrabi, Weizenkleie

        Zink
         Rindfleisch, Fisch, Leber

        Vitamin D
         Fisch (frisch), Eigelb, Quark, Buttermilch, Hüttenkäse

         Bei Verstopfung
         Weizenkleie




2 Kräuter die in der Trächtigkeit tabu sind...
Basilikum

Dieses leckere Gewürz ist voll mit  Vitalstoffen und Spurenelementen.  Leider enthält es auch diverse ätherische Öle, zum Beispiel Campher.
In großen Mengen können diese Substanzen Krämpfe in der Gebärmutter und sogar Wehen auslösen.
Petersilie

Das beliebte Kräutergewächs enthält in nicht geringer Dosis den Stoff "Apiol". Apiol ist ein Hauptbestandteil des ätherischen Öls der Petersilie. Es wurde es bereits im Mittelalter in der Gynäkologie und Geburtshilfe verwendet. Er hat eine stimulierende Wirkung auf die Gebärmutter und unterstützt so das Auslösen vorzeitiger Wehen. Leider hemmt es die Milchproduktion und ist somit während der Laktation ebenso tabu.
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